Erschreckend viele Podcaster verschenken Potenzial durch Schlamperei. Von über 4.000 untersuchten Podcasts, die für den ”Podcast Award“ 2007 nominiert sind, hatten

  • 82 Prozent einen fehlerhaften, 61 Prozent einen stark fehlerhaften RSS-Feed. Das bedeutet, das Abonnieren macht den Nutzern Probleme.
  • 51 Prozent der Podcasts boten auf der Website weder eine Möglichkeit, den Podcast dort anzusehen bzw. anzuhören noch die Datei direkt herunterzuladen.
  • 29 Prozent hatten keinen sichtbaren Link zu ihrem RSS-Feed. Damit ist das Abonnieren mit einem anderen Programm als iTunes extrem erschwert.
  • 59 Prozent hatten auf der Website keine Kontaktinformationen.


Diese Zahlen sind erstaunlich. Todd Cochrane von Geek News Central, der die Untersuchung durchgeführt hat, nennt sie sogar bestürzend. Auch mir ist unklar, warum Menschen, die sich die Mühe machen regelmäßig teilweise sehr hochwertige Inhalte als Podcast zu veröffentlichen, sich nicht die Mühe machen, ein paar einfache Dinge zu beachten.

Man muss kein Buch über Podcasting lesen, um zu wissen, dass man Kontaktinformationen auf seiner Website vorsehen sollte. Man muss kein Technikfreak sein, um seinen RSS-Feed zum Abonnieren seines Podcasts richtig anzulegen. Man muss nicht viel über Benutzerfreundlichkeit wissen, um sich zu denken, dass es sinnvoll ist, den Zugang zu den Inhalten ohne Umwege möglich zu machen.

Nun ist es ja nicht so, dass die untersuchten Podcast irgendwelche Podcasts sind. Sie wurden von Hörern nominiert – oder der jeweilige Betreiber hat sich zumindest die Mühe gemacht, seinen Podcast selbst zu nominieren. Das heißt, es handelt sich bei den über 4.000 Kandidaten um aktive Podcasts, die gehört oder zumindest gepflegt werden.

Und leider bieten die deutschen Podcaster kein viel besseres Bild. Eine umfassende Untersuchung fehlt zwar noch, aber wer sich in der deutschen Podcasterszene etwas umsieht, wird feststellen: auch hierzulande verschenken die Podcaster viele Chancen. Und zwar nicht nur die kleinen, privaten Podcaster.

Wohl prominentestes Beispiel: Lufthansa. Das Konzept, die Inhalte und die Umsetzung mal außen vor gelassen – das Geld für die Podcasts hätte man sich sparen können. Denn diese findet kein Mensch. Weder mit Google, noch mit der Suchmaschine auf Lufthansa.de. Auf der Startseite sind sie nicht verlinkt, auf der ersten Seite von “Infos & Service” auch nicht. Man stolpert nur zufällig über sie in den Tiefen der Site.
Ein RSS-Feed wird erst gar nicht angeboten (somit sind die Audiodateien eigentlich gar keine Podcasts, auch wenn Lufthansa sie so nennt). Eine Kontaktmöglichkeit zur Podcast-Redaktion ist auch nicht vorgesehen.
Und Lufthansa ist kein kein Einzelfall.

Schade. Und doch wieder gut: wer es besser machen will, muss nur einmal ein Dutzend Webseiten von Podcasts ansehen und hat gleich eine Sammlung von mindestens einem Dutzend Fehlern beisammen. Und das beste: Alle lassen sich mit ein wenig Nachdenken und mit minimalem Aufwand beheben oder vermeiden.

Die „geheime“ Seite mit den Lufthansa-Podcasts »
Die Studie von Todd Cochrane »