Interaktives Fernsehen wird seit Jahrzehnten als das neue große Ding gefeiert. Nur will es offensichtlich keiner haben. Das hat nun eine Studie der Agentur UID bestätigt.

Die Usability-Experten befragten zwar nur 26 Personen, aber die Ergebnisse erscheinen mir logisch. Und sie erklären, warum es mit dem interaktiven TV bis heute nicht geklappt hat. Die Befragten wollen Fernsehen, wenn sie Fernsehen – und nicht Interagieren. Dafür wird gern der schöne Begriff „lean back“ im Gegensatz zum „lean forward“ verwendet. Also: Fernsehen heißt zurücklehnen.

Die Experten waren überrascht über die klare Ablehnung von „TV 2.0“. Interaktion war insbesondere bei Einkauf-Sendungen und Quizshows nicht gefragt. Das einzige, was wirklich ankommt ist der Elektronische Programmführer (EPG), also die Auflistung der Sendungen, welche die Auswahl des persönlichen Fernsehprogramms erleichtert.

Diese Ergebnisse waren bei Yahoo sicher noch nicht bekannt, als die Kooperation mit Intel ausgehandelt wurde. Gemeinsam wollen sie die so genannten Widgets auf den Fernseher bringen. Das sind kleine Elemente, die die Wettervorhersage, Aktienkurse etc. anzeigen. Über dem laufenden Fernsehprogramm. Das erfordert nur wenig Interaktivität, außerdem kennt das derzeit noch niemand.
Schon möglich, dass diese Idee ankommt – wenn die passenden Fernseher denn kommen. Die ersten Geräte mit „TV Widgets” gibt es frühestens Ende des Jahres. Ich jedenfalls bin gespannt, ob sich das wirklich durchsetzt, oder ob wir nur jahrzehntelang davon lesen wie vom interaktiven TV.

Und schließlich noch eine dritte Fernseh-Nachricht: Die Unternehmensberatung Roland Berger hat in einer weiteren Studie herausgefunden, dass Web-TV ankommt. 2,1 Milliarden Videos haben demnach die Deutschen letztes Jahr übers Internet angesehen. 90 Videos im Schnitt sieht der Deutsche demnach im Monat. Diese Zahl erscheint hoch, auch wenn Web-Videos oft nur ein, zwei Minuten lang sind. Dass „Web TV ein integraler Bestandteil der Wohnzimmer-Unterhaltung” wird, wie die Roland Berger-Experten behaupten, das wage ich zu bezweifeln. Eben weil die Web-Videos derzeit am PC, nicht am TV angesehen werden. Sie sind mehr der Zeitvertreib für zwischendurch. Gelegentlich auch eine kleine Fortbildungs-Lektion. Aber mit der klassischen Wohnzimmerbeschäftigung Fernsehen haben die Web-Videos derzeit noch wenig zu tun.

Zusammenfassung der Web-TV-Studie von UID »
Zusammenfassung der Web-TV-Studie von Roland Berger »
Infos zu den TV Widgets von Yahoo »