Der aktuelle Stand im Videocodec-Wettkampf
16.08.2010 von Matthias Gidda
Der letzte Post von Jens zur Situation bei den im Internet gebräuchlichen Videocodecs ist ja schon eine Weile her. Damals war die große Neuigkeit, dass der beliebte Codec H.264 weitere fünf Jahre kostenlos bleibt, solange die damit codierten Videos für den Endnutzer ebenfalls kostenlos sind.
Vor einigen Wochen wurde die Codeclandschaft durch eine Neuankündigung wieder ein bisschen durcheinander gebracht: Google hat den Videocodec VP8 unter Open-Source-Lizenz veröffentlicht, und gemeinsam mit Mozilla und 40 weitere Unternehmen das Open Web Media Project vorgestellt. Ziel des Projekts ist die Etablierung des WebM-Formats, das mit VP8 für Video sowie mit dem ebenfalls lizenzfreien Ogg Vorbis für Audio zum Standard für Darstellung von Video in HTML5 werden soll.
Damit ist wieder offen, welchen Videocodec das kommende HTML5-Format für Websites vornehmlich nutzen wird, H.264 oder WebM. Flash ist ja bekanntlich schon ausgeschlossen, und hat durch die fehlende Unterstützung auf dem iPhone und iPad immer schlechtere Karten im Wettkampf der Videocodecs.
YouTube, die wohl wichtigste Videoplattform im Internet, arbeitet derweil an der Umstellung seines Angebots auf HTML5 und berücksichtigt dabei auch das neue WebM-Format. So können Nutzer an der HTML5-Beta teilnehmen. Dabei wird ein Player benutzt, der HTML5, H.264 und WebM unterstützt. Sobald der Player ausgereift ist, wird er wohl zum Standard bei YouTube werden. Interessant ist in diesem Zusammenhang dieser Blogeintrag von YouTube, in dem sich die Entwickler mit der Frage auseinandersetzen, warum sie nicht völlig auf Flash verzichten wollen.
Ähnlich funktioniert ein neuer embed-Code, den YouTube letzte Woche vorgestellt hat. Dieser unterstützt sowohl Flash als auch HTML5. Wenn der Nutzer keinen HTML5-fähigen Player auf seinem Gerät installiert hat, wird automatische das Flashformat verwendet. Auch der embed-Code soll nach einer Testphase den jetzigen embed-Code ohne HTML5-Unterstützung ersetzen.
Zwar nennt YouTube immer noch MPEG2 und H.264 als „bevorzugte“ Videocodecs, aber die neuen Entwicklungen machen zumindest deutlich, dass HTML5 und WebM mittelfristig den Marktenteil von Flash verringern werden.
Für Produzenten von Internetvideo ist die Frage nach dem Videocodec damit trotzdem nicht endgültig beantwortet: Flash scheint weniger wichtig zu werden; Das mittlerweile etablierte H.264 könnte in fünf Jahren doch noch kostenpflichtig werden; WebM wird durch die relativ breite Unterstützung in den gängigen Browsern dort verbreitet sein, wo man Wert auf Open-Source-Lösungen legt. Ein wenig Zielgruppenforschung ist also weiterhin angebracht, solange es keinen ultimativen Allround-Standard gibt. Und das erstellen von mehreren unterschiedlichen Videoformaten wird wohl noch einige Jahre zu unserem Alltag gehören.

11. April 2011 um 9:56
[...] alle, die Video auf Ihren Seiten einbinden, wird nicht einfacher. Im August letzen Jahres hatte Goolge WebM vorgestellt, was die Situation weiter verkompliziert hat. Mittlerweile hat Google die Unterstützung für den [...]