Wer bei Googles Sozialem Netzwerk Google+ angemeldet ist, kann Hangouts starten: Skype-ähnliche Videokonferenzen, bei denen zwei oder mehr Teilnehmer gleichzeitig miteinander sprechen und sich per Webcam sehen.

Seit August 2012 gibt es in Deutschland zusätzlich Hangouts On Air: Der Videochat wird hier live ins Internet übertragen, die bis zu 10 Teilnehmer sind nicht mehr unter sich. Stattdessen kann jeder mit einem Google+-Profil zuhören und -schauen.

Was muss man beachten, wenn man einen Google Hangout On Air durchführen will? Da solche Hangouts im Gegensatz etwa zu einem YouTube-Video live zu empfangen sind, droht Ärger mit den Behörden – wenn man sich vorher nicht absichert.

Sie wollen die neue Funktion nutzen und zum Beispiel eine virtuelle Podiumsdiskussion zum Thema Facebook-Marketing durchführen, indem Sie mit vier Kollegen einen Hangout starten, über das Thema fachsimpeln und Ihre Unterhaltung live ins Netz senden? Wenn Sie nicht aufpassen, verstoßen Sie damit gegen den Rundfunkstaatsvertrag – theoretisch droht eine Geldbuße von bis zu 500.000 Euro.

Die Rechtslage

Im Gegensatz zu einem privaten Hangout unter Freunden, der nur für die Konferenzteilnehmer sichtbar ist, oder einem für die Öffentlichkeit zwar zugänglichen, aber erst zeitversetzt nutzbaren YouTube-Video wird ein Hangout On Air nämlich bislang rechtlich gesehen nicht als “Telemedium” gewertet. Stattdessen fällt er in die Kategorie “Rundfunk”: Wie beim Fernsehen sendet jemand audiovisuelles Material, das in Echtzeit von einer großen Anzahl Menschen empfangen werden kann.

Seit dem Start von Google Hangout on Air in Deutschland loten einige Pioniere die Rechtslage aus. Etwa Hannes Schleeh, der im September 2012 eine Bloggerkonferenz live ins Internet übertragen und dafür vorsichtshalber das Einverständnis der Landesmedienanstalt Bayern eingeholt hat. Wegen der unklaren Rechtslage gibt es seitdem immer wieder Aufrufe an die Politik, die Regelungen zu modernisieren.

Aus der Antwort der Behörde an Schleeh wird ersichtlich, dass es nicht darauf ankommt, wie viele Menschen den Hangout tatsächlich sehen – entscheidend ist, dass potenziell jeder mit einem Google+-Konto “einschalten” kann.

So kommen Sie um die Gebühren herum

Heißt das nun, dass Sie für jeden öffentlichen Hangout On Air die Rundfunklizenzgebühren von bis zu 10.000 Euro zahlen müssen? Nein, aber Sie müssen vorher eine Erlaubnis einholen, die Ihr Projekt von den Gebühren ausnimmt. Den Prüfern scheint dabei wichtig zu sein, dass Ihre geplante Sendung Testcharakter hat: Sie sollten also angeben, dass Sei das Medium nutzen, um erste Erfahrungen damit zu sammeln.

Aus einer Genehmigung für den Pearson-Verlag geht außerdem hervor, dass die zuständigen Landesmedienanstalten bis auf Weiteres so vorgehen wollen: Projekte, die nicht als regelmäßige Sendung angelegt sind, werden genehmigt, wenn der Sendetermin “nicht publikumswirksam” bekannt gemacht wird. Pearson will rund 10 bis 12 Experten-Hangouts zu den Themen Fotografie, Social Media und Lernen veranstalten und hatte angegeben, dass per Twitter und Co. bis zu 4.000 Menschen über den Termin informiert werden. Dieses Volumen stellt für die Behörde “keine hinreichende Publikumswirksamkeit” dar.

Das erste Hangout des Pearson-Verlags

Das erste Hangout des Pearson-Verlags

Die bisher veröffentlichten Genehmigungen zeigen aber klar, dass es sich um Einzelfallentscheidungen handelt: Deshalb sollten Sie es tunlichst vermeiden, auf eine Erlaubnis zu verzichten, nur weil Ihr Hangout den bisher genehmigten Projekten ähnlich ist. Bis hier die Rechtslage an das 21. Jahrhundert angepasst wird, sollten Sie also bei der für Sie zuständigen Landesmedienanstalt eine Erlaubnis einholen, um rechtliche Probleme zu verhindern.

Informationen und erster Erfahrungsbericht von Pearson:
So geht’s: Erstes Hangout on Air » (Update: Erfahrungsbericht nicht mehr online)

Erfahrungsbericht von Hannes Schleeh:
Deutschlands erstes virtuelles Blogger Camp – Fazit »

Als Beispiel die Regelungen der Bayrischen LMA (zuständig ist die LMA Ihres Bundeslandes):
Genehmigung von TV-Angeboten über Internet »