Normen für die benutzerfreundliche Mediensteuerung
20.10.2008 von Jens Jacobsen
Vor einem guten Monat haben wir Tipps zusammengetragen, die helfen können, etwas Ordnung in den Wildwuchs zu bringen, der bei der Steuerung von Audio und Video im Web um sich greift (zum Originaleintrag im Blog »). Wir hatten angekündigt, uns die die Normen zu Gemüte zu führen, die das gleiche Ziel haben. Nun haben wir uns durchgekämpft.
Leider sind die Normen kein Musterbeispiel guter Usability, dafür sind die Formulierungen wasserdicht. Das Dechiffrieren erfordert etwas Mühe. Die wesentlichen Inhalte lassen sich so zusammenfassen:
Was soll die Norm ISO 14915-2 Software-Ergonomie für Multimedia- Benutzungsschnittstellen, Teil 2: Multimedia-Navigation und Steuerung? Das steht zum Glück gleich auf Seite sieben:
ISO 14915-2
- schafft Rahmenbedingungen für den Aufbau von Multimedia-Anwendungen;
- gibt Informationen und Empfehlungen zur Gestaltung von Navigationsstrukturen und Navigationsmechanismen für die Nutzung in Multimedia-Anwendungen;
- enthält Informationen und Empfehlungen zur Gestaltung von Steuerungselementen für die Nutzung in Multimedia-Anwendungen.
Könnte man auch kürzer fassen, ist aber soweit klar. Noch eine Kostprobe vom Originaltext:
7.1 Kompatibilität von Elementen zur Mediensteuerung
Wenn bei der Entwicklung von Software-Steuerungselementen auch Hardware-Steuerungselemente für die gleichen Aufgaben vorgesehen werden, dann sollten die Software-Steuerungselemente in Verhalten und/oder Erscheinung mit den Hardware-Steuerungselementen vergleichbar sein.
Das ist Wasser auf unsere Mühlen. Wenn wir eine Audiosteuerung auf einer Website einbauen, dann sollten die Knöpfe zum Steuern der Wiedergabe so aussehen wie auf einem CD-Player.
Und der Benutzer sollte auch stets wissen, wo er sich befindet:
7.11 Medienstatus
Der aktuelle Status verfügbarer Medien sollte immer zugänglich sein.
[…]
BEISPIEL 3 Der Benutzer ist in der Lage, die Position innerhalb eines Videos zu bestimmen.
Außerdem wichtig in der Norm: der Abschnitt 11.1 Steuerung dynamischer Medien. Hierin wird definiert, wie sich die verschiedenen Steuerungselemente zu verhalten haben (Wiedergabe, Stopp, Vorspulen…).
Schließlich gibt es noch folgende Norm, die im „DIN-Taschenbuch Software-Ergonomie” nur auf Englisch enthalten ist: ISO 18035 Information technology – Icon symbols and functions for controlling multimedia software applications.
Hier finden sich Abbildungen für die Icons/Symbole der Steuerelemente. Diese bestätigen im Wesentlichen die Ergebnisse unserer o. g. Untersuchung. Abweichend davon wird hier für die Lautstärkeregelung ein Keil mit senkrechtem Balken empfohlen, statt des weit verbreiteten Schiebereglers/Sliders. Nach meiner Einschätzung ist diese abweichende Form aber inzwischen so etabliert und auch nicht schwerer verständlich als die Empfehlung der Norm, dass diese Abweichung völlig OK ist.
Als Fazit kann man festhalten:
Halten Sie sich bei der Mediensteuerung an die Standards, wie sie Apple, Microsoft oder Youtube vorgeben. Dann sind Sie fast immer auch mit den Normen konform.
Mehr Infos im kostenlosen PDF zum Download.
