270 Sprecher, 170 Vorträge und Workshops, 8 Bühnen und über 3.000 Teilnehmer – das war die re:publica 2011 in Berlin. Es war voll und anstrengend, man traf viele spannende Menschen, wenige langweilige und ich persönlich bin mit vielen guten Ideen, Anregungen und Kontakten zurück gekommen.

Philipp Schäfer von IDEO sprach über „Design Thinking“. Seine zentrale Botschaft war:
Design ist zu wichtig, um es den Designern zu überlassen.
Er stellte IDEO vor (beteiligt an der Entwicklung des ersten Laptops, der ersten Maus und des Palm Pilot beteiligt).
Sie bietet NGOs ein kostenloses „Toolkit“, mit dem sie Anwendungen so konzipieren können, dass dabei die Nutzer im Mittelpunkt stehen:
www.ideo.com/work/human-centered-design-toolkit
Schäfer stellte außerdem IDEOs Plattform Open IDEO vor. Dort werden Ideen diskutiert, die die Welt verbessern sollen. Z. B. wie sich die Ernährungsgewohnheiten von Kindern verbessern oder wie sich mehr Knochenmarkspender gewinnen lassen. Dabei können alle Internetnutzer mitmachen – Crowdsourcing.

Inspirierend war auch der Vortrag von Keiichi Matsuda aus London/Tokyo. Er zeigte in einem Video, wie die Augmented Reality aussehen könnte. „Some people think it is hell, some think it is great“, erzählt er. Ein Besuch seiner Website lohnt für alle, die ihn nicht gehört haben.

Steffen Boos, Sebastian Deterding und Christoph K. Weidner diskutierten über Serious Games. (Johnny Haeusler war leider im Berliner Stau stecken geblieben.) Boos und Weidner produzieren solche Computerspiele mit Erziehungsauftrag, Deterding promoviert darüber. Deterding bürstete schön gegen den Strich, indem er sagte: „Serious Games ist mit Kanonen auf Spatzen schießen.“ Er fragte, ob der enorme Aufwand gerechtfertigt sei. Könne man nicht mit weniger Geld und Mühe das Gleiche erreichen, indem man etwa in Lehrer investiert?
Außerdem müssten Menschen immer davon überzeugt werden, ein Serious Game zu spielen – „ui, Grammatik lernen!“ sagt niemand.

Im Anschluss redete Sebastian Deterding allein über „Gamification“ – dem Versuch, alle möglichen Anwendung nutzbarer zu machen, indem man spielerische Elemente integriert. Mein persönlicher Publikumspreis geht für diesen Vortrag an Deterding – er sprach mitreißend, klar und zeigte, dass er über das, was er sprach, ordentlich nachgedacht hatte.
Außerdem hatte er mit Abstand die besten Folien – weitgehend ohne Aufzählungen, viele emotional ansprechende Bilder, die seine Botschaft perfekt unterstützten.

Deterding empfahl allen, die Gamifikation-Ansätze ausprobieren wollen, folgendes:

  1. Stelle den Prozess, nicht Funktionen in den Mittelpunkt
  2. Lerne die Regeln des Gamedesigns an echten Spielen
  3. Kenne deine Nutzer
  4. Teste & iteriere Protoypen

Martin Spindler erzählte vom „Internet der Dinge“. Der Roboter-Butler war eine Idee, die in den 1920ern geboren wurde und bis in die 50er gesponnen wurde. Sie wird so wenig Realität wie der Kühlschrank mit Internetverbindung, der automatisch Milch bestellt, bevor sie ausgeht – eine Idee der vorigen Dekade. Spindler: „The Internet on your fridge does not matter.“
Er nannte „Smart Meter“ (intelligente Stromzähler), Pillendosen und Geigerzähler mit Internetverbindung vor – heute schon Realität. Im Netz des amerikanischen Providers AT&T sind inzwischen mehr Maschinen als Menschen.
Die folgende Diskussion konnte Fragen wie die nach Folgen für die Privatsphäre nur anreißen, war aber dennoch interessant.

Stefan Pfeiffer und Arnd Layer von IBM stellten vor, wie ihre Firma soziale Funktionen in Software bringen will, die zu internen Kommunikation in Unternehmen eingesetzt wird. Ein bisschen Facebook, ziemlich viel Google Documents/Wave und ein bisschen Filesharing.

Bei der Podiumsdiskussion, geleitet von Carolin Buchheim vom freiburgischen fudder.de, sprachen Stefan Aigner von regensburg-digital.de, Philipp Schwörbel von den Prenzlauer Berg Nachrichten und Rainer Kurlemann (Online-Ressortleiter Rheinische Post) über Lokaljournalismus im Internet. Sie erzählten jeweils, was ihre persönlichen Gründe waren, ihr Blog zu starten und welche Zukunft sie für Hyperlocal News sehen. Gut zusammengefasst hat es ihr lokaljournalistischer Kollege Rouven Ridder aus Bielefeld in seinem Blog.

Mein persönliches Fazit: Die re:publica ist eine tolle Veranstaltung, um sich auszutauschen mit Netzbürgern, Digital Natives und Internet-Celebrities. Einige spannende Vorträge eröffnen neue Perspektiven und in der Summe bekommt man so ein gutes Gefühl dafür, was die Menschen derzeit bewegt, die das deutschsprachige Internet zu einem großen Teil aktiv mitgestalten.