Update:
Dieser Artikel ist vom August 2010. Seit April 2013 gibt es im Blog einen komplett überarbeiteten und aktualisierten Artikel zum Thema.

 

Ursprünglicher Text:
Videoportale wie Youtube ziehen jeden Tag Millionen von Nutzern an. So bieten sie sich an, wenn man seine eigenen Marketing-Videos zu Gesicht bringen will. Außerdem haben diese Plattformen eine ausgereifte Infrastruktur – man muss sich weder darum kümmern, dass die Anbindung des Servers schnell genug ist, wenn viele Nutzer gleichzeitig auf die eigenen Filme zugreifen, noch drohen hohe Rechnungen vom Provider weil man sein Inklusivvolumen beim Trafic überschritten hat.

Da läge es nahe, etwa das eigene Werbevideo bei YouTube und Co. hochzuladen. Aber darf man das? Tatsächlich gibt es dabei einiges zu beachten:

YouTube und Vimeo beispielsweise erlauben keine kommerzielle Nutzung Ihres Angebots, solange man nicht „Partner“ ist, der Werbung schalten darf. Am striktesten legt das Vimeo aus, weil die Plattform großen Wert auf ihr Image als Treffpunkt für Künstler legt. In den Nutzungsbedingungen heißt es:

You may not upload commercials, infomercials, or demos that actively sell or promote a product or service.

Ausgenommen sind nur:

independent production companies, authors, musicians, non profits, churches, artists, and actors may show or promote the work they have created.

Dass die Plattform auf Einhaltung dieser Regeln Wert legt, musste beispielsweise der Blogger Paul Boag erfahren, dessen Videos bei Vimeo gelöscht wurden. Falls Sie also nicht zu den oben genannten Gruppen gehören, laden Sie selbst produzierte Werbeclips und ähnliches Videomaterial bei Vimeo lieber nicht hoch.

Die Nutzungsbestimmungen bei YouTube sind im Gegensatz dazu nicht so eindeutig. Darin heißt es allgemein zwar auch:

Sie erklären sich damit einverstanden, die Webseite oder irgendwelche Dienste (einschließlich des YouTube-Players) nicht für irgendwelche kommerziellen Zwecke zu nutzen, ohne zuvor durch YouTube schriftlich dazu autorisiert worden zu sein.

Allerdings wird wenig später im Text eingeschränkt:

Nicht erfasst werden soll dagegen (i) das Hochladen eines Originalvideos auf YouTube, (ii) das Unterhalten eines originalen Kanals auf der Webseite mit dem Ziel, ein geschäftliches oder künstlerisches Unternehmen zu fördern, und (iii) jede Nutzung, die Ihnen durch YouTube ausdrücklich in Schriftform gestattet wird;

Wie ist das zu verstehen? Beinhaltet die kommerzielle Nutzung auch das Hochladen von Werbevideos? Leider macht YouTube dazu keine explizite Angabe wie Vimeo, wo ja „commercials, infomercials und demos“ explizit genannt und von der Nutzung ausgeschlossen werden. Und in der Realität finden sich auf YouTube sehr viele Videos auch von Nicht-Werbepartnern des Dienstes, denen man kommerzielle Zwecke bescheinigen könnte. Trotzdem ist es ratsam, nicht einfach das zu tun, was viele andere auch machen, wenn die Rechtslage unklar ist. Wer auf Nummer sicher gehen will, lädt also auch bei YouTube keine Werbevideos oder Ähnliches hoch.

Neben der Frage, ob Sie die Portale für Ihre Marketingzwecke überhaupt nutzen dürfen, gibt es einen weiteren wichtigen Punkt: Die Rechteabtretung. Denn viele Portale verlangen für sich das Recht, hochgeladene Videos selbst auch nutzen zu dürfen. Zum Beispiel zeigen sie Ihre Inhalte in ihre eigenen Werbemedien. Beispielhaft dazu die Nutzungsbedingungen von YouTube:

Indem Sie Nutzerübermittlungen bei YouTube hochladen oder posten, räumen Sie

A. YouTube eine weltweite, nicht-exklusive und gebührenfreie Lizenz ein (mit dem Recht der Unterlizenzierung) bezüglich der Nutzung, der Reproduktion, dem Vertrieb, der Herstellung derivativer Werke, der Ausstellung und der Aufführung der Nutzerübermittlung im Zusammenhang mit dem Zur-Verfügung-Stellen der Dienste und anderweitig im Zusammenhang mit dem Zur-Verfügung-Stellen der Webseite und YouTubes Geschäften, einschließlich, aber ohne Beschränkung auf Werbung für und den Weitervertrieb der ganzen oder von Teilen der Webseite (und auf ihr basierender derivativer Werke) in gleich welchem Medienformat und gleich über welche Verbreitungswege;

B. jedem Nutzer der Webseite eine weltweite, nicht-exklusive und gebührenfreie Lizenz ein bezüglich des Zugangs zu Ihren Nutzerübermittlungen über die Webseite sowie bezüglich der Nutzung, der Reproduktion, dem Vertrieb, der Herstellung derivativer Werke, der Ausstellung und der Aufführung solcher Nutzerübermittlung in dem durch die Funktionalität der Webseite und nach diesen Bestimmungen erlaubten Umfang.

Zum einen darf also YouTube Ihr Video selbst nutzen und dieses Recht sogar an Dritte abgeben, zum anderen dürfen die Nutzer Ihr Video verändern und in eigene Videos einbauen.

(Update: Yahoo Video wurde mittlerweile in Yahoo Screen umbenannt, eigene Videos kann man dort nicht mehr hochladen)
Besonders deutlich formulierte ein weiterer Dienst, Yahoo Video, diese Klausel:

Yahoo! ist ferner berechtigt, Werbe-, Marketing- und Vertriebsrechte im Zusammenhang mit Ihren Videoinhalten zu veräußern und zu lizenzieren und die aus der Veräußerung oder der Lizenzierung dieser Rechte erwirtschafteten Erlöse einzubehalten.

Dafür hatte Yahoo in seinen Nutzungsbedingungen das Hochladen kommerzieller Inhalte nicht verboten.

In den Nutzungsbedingungen von MyVideo wiederum steht:

Sie dürfen im Rahmen der Nutzung der MYVIDEO-Dienste nicht:
unerbetene Werbung, Promotionsmaterial, Junk- oder Massen-E-Mails („Spam“), Kettenbriefe, Schneeballsysteme oder sonstige Werbung speichern, veröffentlichen und/oder übermitteln;

Es scheint unklar, ob sich dieser Passus bzw. die Formulierung „oder sonstige Werbung“ auf das Hochladen von Videos bezieht, oder bezüglich des Kontextes („Spam“) lediglich auf den Versand von Textnachrichten über die Plattform.

Wer also sein Werbevideo komfortabel bei einem Anbieter wie YouTube hochladen will, steht vor mehreren Problemen. Die Nutzungsbedingungen sind nicht immer so eindeutig wie bei Vimeo, bei denen „commercials und infomercials“ ganz explizit verboten sind. Sicher geht man nur mit einer schriftlichen Erlaubnis, aber deren Einholung gestaltet sich eventuell schwierig. YouTube selbst hat keine deutsche Vertretung, lediglich der Mutterkonzern Google. MyVideo gibt lediglich den Firmensitz in Rumänien, aber immerhin eine E-Mail-Adresse an.

Es bleibt aber immer die Lösung, das Video auf dem eigenen Firmenserver zu hosten – solange dieser nicht von der Zahl der Zugriffe überfordert wird.