Video im Web – Adobe will auch mitspielen
09.04.2008 von Jens Jacobsen
Heute erschien die Version 1.0 des Adobe Media Player. Damit bringt sich Adobe in Position gegen eine ganze Reihe von Konkurrenten: Youtube, iTunes, Microsoft Media Player, VLC und das klassische Fernsehen.
Mit dem Programm kann man die gebräuchlichsten Arten von Videos ansehen – von Flash Video (FLV) über MP4 bis zu MOV.
Dabei können die Videos entweder von der eigenen Festplatte kommen oder aus dem Internet. Schick ist, dass der Player auch als Podcatcher arbeitet: er lädt automatisch die neuen Folgen. Trägt man RSS-Feeds beliebiger Video-Podcasts ein, kann man mit dem Adobe Media Player also alle Videopodcasts abonnieren – und natürlich ansehen.
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Adobe Media Player: Aboeinstellungen für Video-Podcasts (Klicken zum Vergrößern)
Warum macht Adobe sich die Mühe, einen eigenen Player zu erstellen? Zum einen natürlich, um das Format Flash Video weiter zu stärken. Zum anderen, um vom wachsenden online-Werbekuchen ein Stück abzubekommen.
Und das geht so: Über den Player sind Serien wie „CSI: New York“, „CSI: Miami“, „Star Trek“ und „MTV News“ verfügbar. Die kann man kostenlos ansehen – mit ein wenig Werbung garniert. Und von den Einnahmen, die diese Werbung bringt, bekommt Adobe natürlich etwas ab.
Solche Player geben der Werbewirtschaft die Kontrolle über die Zuschauer zurück. Denn Festplattenrecorder und DVD-Recorder und die Aufzeichnung von Fernsehen am Computer bedeuten: der Zuschauer entscheidet, ob er Werbung ansieht oder nicht. Er kann jederzeit spulen und damit die Werbung überspringen.
Sieht man nun dagegen seine Videos mit einem Software-Player, entscheidet dessen Hersteller über Unterbrechungen und Werbeeinblendungen. Und er kann natürlich auch DRM wie Adobe es tut (digital rights management) vorsehen, d. h., über Kopieren und Weitergeben der Videos wachen.
Deeje Cooley, „Internet TV Evangelist for Adobe Media Player“, schreibt in seinem Blog bei Adobe freimütig darüber, dass der Player natürlich auch den Anbietern der Inhalte dienen soll. Und in den sehr knappen deutschen Dokumenten findet sich diese Passage, die die Vorteile für die Rechteinhaber aufzeigt:
Rufen Sie Informationen zum Verhalten der Zuschauer ab, z. B. wann und wie häufig ein Video abgespielt wird, an welcher Stelle Anwender das Video starten bzw. stoppen, welche Videos Zuschauer aus ihren Sammlungen entfernen, welche Wirkung die Werbung hat usw.
Der Traum vieler Werbetreibenden. Wie Nutzer und Datenschützer das finden, das steht auf einem anderen Blatt.
Wer den Player trotzdem ausprobieren will: Der Adobe Media Player ist kostenlos und setzt die Installation von Air voraus (ebenfalls kostenlos, wird beim Installieren automatisch mit auf die Platte gepackt). Der Download ist auf der deutschen Adobe-Site derzeit nicht zu finden; es gibt ihn bisher nur für Windows und Macintosh, und nur in Englisch; weitere Sprachen und eine Linux-Version sind in Arbeit.
Blogpost von deeje cooley zu Adobes Zielen »
Download des Adobe Media Players »
