Immer mehr Menschen wollen selbst entscheiden, wann und wie sie Inhalte nutzen. Auch andere flexible Plattformen wie iTunes, Netflix oder die Mediatheken von ARD und ZDF profitieren davon.

Wer Netflix und andere Plattformen nutzt, will flexibel sein. © Netflix

Ein Grund für den Erfolg von Netflix: Die Kunden schauen wann sie wollen, wie sie wollen. © Netflix

Der in Deutschland eher unbekannte Dienst Netflix hat in den USA für einigen Wirbel gesorgt: Die eigenproduzierte Serie „House of Cards“ hat es als erste komplett online vertriebene Sendung beim Fernsehpreis Emmy zu Nominierungen in wichtigen Kategorien (u.a. beste Regie, bester Schauspieler, beste Schauspielerin) geschafft.

Für die etablierten Fernsehsender und Hollywood-Studios war das ein Schock, reines Online-Video wird immer noch als Tummelplatz für Katzenfilmchen belächelt – frei nach der Devise, „was nur im Internet läuft, kann nicht hochwertig sein, oder gewinnbringend“.

Inhalte für die Nutzer von heute

Da Netflix nicht nur beim Fernsehpreis Emmy, sondern auch kommerziell erfolgreich ist, lohnt es, nach dem Grund für die Beliebtheit zu suchen.

Eine Erklärung ist, dass die Firma mit ihrem Geschäftsmodell einfach das Nutzerverhalten einer bestimmten, immer wichtigeren Zielgruppe bedient:

So laufen die von Netflix angebotenen Filme und Serien nicht zu festen Zeiten im TV, sondern stehen rund um die Uhr als Stream über Internet zur Verfügung. Abonnenten schauen also dann, wann sie Zeit und Lust haben – wer um 20:15 Uhr nicht zu Hause ist, schaut bei der TV-Konkurrenz erstmal in die Röhre.

Auch an ein bestimmtes Gerät sind die Nutzer nicht gebunden: Auf dem PC im Arbeitszimmer oder auf Tablet und Smartphone unterwegs lässt sich genauso schauen wie ganz klassisch auf dem Fernsehgerät.

Für das Netflix-Clientel aber besonders wichtig: Wenn man Lust hat, schaut man von der Lieblingsserie gleich so viele Folgen hintereinander, wie man will. Wo man im Fernsehen eine Woche auf die nächste Folge warten müsste, wurde von House of Cards beispielsweise die gesamte erste Staffel auf einmal online gestellt. Wer wollte, konnte diese in einem Rutsch durchschauen.

Diese volle Flexibilität ist scheinbar genau das, was viele vor allem jüngere Nutzer heutzutage von kostenpflichtigen Diensten erwarten. Sie finden: Wenn schon Geld ausgeben, dann muss die Nutzung mindestens so komfortabel sein wie ein illegaler Download, der in wenigen Stunden die gesamte Staffel einer Serie auf den Computer schaufelt. Das beschreibt etwa Eliza Kern bei Gigaom:

„Ich bin die Art von Mensch, die die Senderchefs nachts nicht schlafen lässt. Ich habe nie einen richtigen Fernseher besessen, ich würde nie für einen Kabelanschluss bezahlen, und selbst für das was ich im Internet anschaue bezahle ich nur selten. […] Aber wenn es einen Dienst gibt, für den [ich und meine Bekannten] bezahlen würden, ist das Netflix. […] Der Punkt ist, es ist verfügbar wann immer man will, auf dem Gerät auf dem man gerade schauen will.“

Podcasts bieten volle Flexibilität, sogar offline

Netflix ist auf jeden Fall nur ein Beispiel für eine erfolgreiche Plattform, die Flexibilität bietet. Das Apple-Portal iTunes, das neben Filmen und Serien auch Podcasts im Programm hat, hat zum Beispiel gerade das eine Milliardste Podcast-Abonnement gemeldet. Um den Markt für Filme und Serien im Stream buhlen in Deutschland Lovefilm von Amazon und Watchever. Und auch die Mediatheken von ARD und ZDF, die ihren Zuschauern das zeitversetzte Ansehen der Sendungen auf vielen Geräten ermöglichen, haben wachsende Nutzerzahlen.

Podcasts, die ja nicht nur ein wichtiger Teil von iTunes, sondern auch in den öffentlich-rechtlichen Mediatheken sind, sind das perfekte Medium für den modernen Nutzer: Wie die Streams von Netflix und Co. sind sie rund um die Uhr verfügbar, auf den unterschiedlichsten Geräten, und wer will kann gleich eine komplette Staffel anhören. Aber im Gegensatz zu Streams sind Podcasts nach dem Download auch dann verfügbar, wenn man zum Beispiel unterwegs keine (gute) Internetverbindung hat.

Gerade für ein junges, internetaffines und überdurchschnittlich gebildetes Publikum sind Podcast also ein ideales Medium.