Sie haben ein Video erstellt und wollen damit sich, Ihr Unternehmen oder eigene Produkte bekannt machen. Wenn Sie den Clip bei YouTube, Vimeo oder MyVideo hochladen, erreichen Sie ein Millionenpublikum – aber ob Sie das überhaupt dürfen, das ist nicht unbedingt klar.

Das Szenario: Sie wollen ein Video hochladen, das ein Produkt Ihrer Firma bewirbt, oder ein E-Book präsentiert, das Sie geschrieben haben. Sie haben das Video selbst produziert, oder die Rechte vom Eigentümer für den Upload bekommen.

Was das Video selbst angeht, ist also rechtlich alles im grünen Bereich. Aber was sagen die Plattformbetreiber dazu? Da Sie mit dem beworbenen Produkt Geld verdienen wollen, fällt Ihr Video dort in die Kategorie „kommerziell“.

Im August 2010 habe ich schon einmal beschrieben, was man dabei beachten muss. Seitdem hat sich die intransparente Situation für kleine Firmen und Einzelpersonen leider nicht verbessert.

Was dürfen Sie?

Die Nutzungsbedingungen der großen Video-Plattformen haben für kommerzielle Videos eigene Bestimmungen.

YouTube

Bei YouTube heißt es dazu im Punkt 6 E:

„Sie erklären sich damit einverstanden, die Webseite oder irgendwelche Dienste (einschließlich des YouTube-Players) nicht für irgendwelche kommerziellen Zwecke zu nutzen, ohne zuvor durch YouTube schriftlich dazu autorisiert worden zu sein.“

Grundsätzlich müssen Sie also für das Hochladen Ihres erwähnten Videos eine schriftliche Erlaubnis einholen. Als Kontaktadresse gibt YouTube aber auch im Jahr 2013 nur eine Adresse und eine Telefonnummer in Kalifornien an.

Von der Pflicht zur schriftlichen Erlaubnis nehmen die Nutzungsbedingungen im Punkt 6 E iii aber aus:

„Nicht erfasst werden soll dagegen (i) das Hochladen eines Originalvideos auf YouTube, (ii) das Unterhalten eines originalen Kanals auf der Webseite mit dem Ziel, ein geschäftliches oder künstlerisches Unternehmen zu fördern“

Wenn Sie über alle Urheberrechte am Audio- und Videomaterial Ihres Clips verfügen, scheint das Hochladen auch von kommerziellen Videos also bei YouTube auch ohne schriftliche Erlaubnis erlaubt.

Vimeo

Bei Vimeo.com heißt es in Punkt 2 der Nutzungsbedingungen:

„I will not upload videos intended for commercial use.“

In einem Unterpunkt wird noch explizit auf unser Nutzungsbeispiel eingegangen:

„You may not upload product promotions or sales videos such as real estate walkthroughs.“

Da Ihr Video wohl unter „Product Promotion“ fallen würde, ist der Upload bei Vimeo nicht erlaubt. Das gilt aber nur für den kostenlosen Service.

Vimeo Pro dagegen, das 159 Euro pro Jahr kostet, erlaubt kommerzielle Videos:

„You want to upload commercial videos. Commercial videos are videos that promote a product, service, or brand or contain any advertising (e.g., pre-roll ads, post-roll ads, overlay ads, or links). For example, a company that wants to upload infomercials or product tutorials must be a Vimeo PRO subscriber.“

MyVideo

Der deutsche Anbieter MyVideo schreibt:

„Sie dürfen im Rahmen der Nutzung der MYVIDEO-Dienste nicht: […] [U]nerbetene Werbung, Promotionsmaterial, Junk- oder Massen-E-Mails („Spam“), Kettenbriefe, Schneeballsysteme oder sonstige Werbung speichern, veröffentlichen und/oder übermitteln;“

Ist Ihr Produktvideo „erbeten“? Wer das rausfinden will, bekommt im Impressum lediglich eine Anschrift in Bulgarien.

Fazit

Mit Vimeo verbietet also eine der drei großen kostenlosen Videoplattformen gänzlich das Hochladen kommerzieller Videos, während YouTube und MyVideo derartige Nutzung an nicht unbedingt eindeutige Begriffe wie „erbeten“ und „Originalvideo“ koppeln.

Diese Situation ist für kleine Firmen und Einzelpersonen besonders ärgerlich. Denn die haben wenig Zeit und vor allem Expertise, die genaue rechtliche Situation herauszufinden. Schnelles Googlen etwa nach „kommerziell video youtube hochladen“ bringt auf der ersten Seite keine erkennbare Lösung in Form einer konkreten Aussage.

Sie müssten also entscheiden, ob Sie wertvolle Ressourcen in die weitere Recherche stecken, die Kontaktadresse in den USA (YouTube) bzw. Bulgarien (MyVideo) anschreiben oder das Risiko eingehen und das Video einfach hochladen.

"Branded Channels" kosten Sie zwar effektiv Geld, erlauben aber das Anpassen der Benutzeroberfläche an Ihre Corporate Identity.

„Branded Channels“ kosten Sie zwar effektiv Geld, erlauben aber das Anpassen der YouTube-Benutzeroberfläche an Ihre Corporate Identity.

Was darf der Anbieter?

Man muss aber nicht nur bedenken, dass man mit dem Hochladen des Videos eventuell gegen Nutzungsbedingungen verstößt. Man muss ebenso bedenken, dass man mit dem Hochladen Rechte an die Videoplattform abtritt. Die Eigentumsrechte am Video behält man zwar, aber man gewährt eventuell problematische Nutzungsrechte.

Bei YouTube ließt sich das so:

„10.1 Indem Sie Nutzerübermittlungen bei YouTube hochladen oder posten, räumen Sie

YouTube eine weltweite, nicht-exklusive und gebührenfreie Lizenz ein (mit dem Recht der Unterlizenzierung) bezüglich der Nutzung, der Reproduktion, dem Vertrieb, der Herstellung derivativer Werke, der Ausstellung und der Aufführung der Nutzerübermittlung im Zusammenhang mit dem Zur-Verfügung-Stellen der Dienste und anderweitig im Zusammenhang mit dem Zur-Verfügung-Stellen der Webseite und YouTubes Geschäften, einschließlich, aber ohne Beschränkung auf Werbung für und den Weitervertrieb der ganzen oder von Teilen der Webseite (und auf ihr basierender derivativer Werke) in gleich welchem Medienformat und gleich über welche Verbreitungswege;

jedem Nutzer der Webseite eine weltweite, nicht-exklusive und gebührenfreie Lizenz ein bezüglich des Zugangs zu Ihren Nutzerübermittlungen über die Webseite sowie bezüglich der Nutzung, der Reproduktion, dem Vertrieb, der Herstellung derivativer Werke, der Ausstellung und der Aufführung solcher Nutzerübermittlung in dem durch die Funktionalität der Webseite und nach diesen Bestimmungen erlaubten Umfang.“

Das heißt: YouTube darf Ihr Video zum Beispiel für eigene Werbung nutzen, und kann dieses Recht scheinbar an Dritte weitergeben.

Nutzer wiederum dürfen Ihr Video überall einbinden, wo es YouTube gestattet. Das Weitergeben ist zwar für die meisten PR-Videos Sinn der Sache, trotzdem wollen nicht alle Firmen, dass ihr Video auch auf Websites mit zweifelhaften Inhalten eingebunden werden kann.

Bei Vimeo lautet der entsprechende Passus so:

„By submitting a video, you grant Vimeo and its affiliates a limited, worldwide, non-exclusive, royalty-free license and right to copy, transmit, distribute, publicly perform and display (through all media now known or hereafter created), and make derivative works from your video for the purpose of (i) displaying the video within the Vimeo Service; (ii) displaying the video on third party websites and applications through a video embed or Vimeo’s API subject to your video privacy choices; (iii) allowing other users to play, download, and embed on third party websites the video, subject to your video privacy choices; (iii) promoting the Vimeo Service, provided that you have made the video publicly available; and (iv) archiving or preserving the video for disputes, legal proceedings, or investigations.“

„You further grant all users of the Vimeo Service permission to view your videos for their personal, non-commercial purposes.“

Sofern man das Video also nicht als privat eingestuft hat, können auch hier Vimeo, dessen „affiliates“ und die Nutzer das Video recht frei verwenden. Im Unterschied zu YouTube muss man auch wissen, dass die Videos bei Vimeo nicht nur gestreamt, sondern auch heruntergeladen werden können. Auch darf Vimeo das Video zu Zwecken der Archivierung und rechtlichen Untersuchung behalten, nachdem Sie das Video oder Ihren Account gelöscht haben.

MyVideo schließlich gibt sich genügsamer:

„Ihnen ist bekannt, dass in unserem Angebot und damit im Umfeld Ihrer Inhalte, ggf. auch vor und nach Ihren Inhalten ( insbesondere bei Videos) von uns vermarktete Werbung stattfindet und sie erklären sich hiermit ausdrücklich einverstanden. Sie gestatten uns ferner von Bildern und Videos zur besseren Nutzung unseres Angebots, insbesondere durch eine Suchfunktion, verkleinerte Bilder (Thumbnails) herzustellen und in den MYVIDEO-Diensten zu nutzen.“

Letztendlich gilt für Sie also nach wie vor: Wenn Sie Ihr Video hochladen, können Sie die gewollte und ungewollte Verbreitung nicht verhindern. Und wenn es ein kommerzielles Video ist, versuchen Sie im Fall von YouTube und MyVideo am besten, eine offizielle Erlaubnis des Diensteanbieters zu bekommen. Bei Vimeo ist ein solches Video ohnehin nur erwünscht, wenn Sie einen kostenpflichtigen Premium-Account haben.

Große Firmen haben es da leichter. Da kümmert sich im Zweifelsfall die Rechtsabteilung um die Frage ob die Werbevideos hochgeladen werden dürfen. Und YouTube bietet Firmen wie Audi oder Siemens so genannte Branded Channels, in denen ihre Werbevideos laufen. Die kosten effektiv Geld, aber dafür gibt es vermutlich auch schneller Kontaktmöglichkeiten als eine Anschrift in Kalifornien.

Die Alternative

Wenn ein Upload bei YouTube und Co. nicht in Frage kommt, gibt es eine Alternative, bei denen alleine Sie bestimmen, was mit den Videos geschieht: Sie laden Sie auf einen eigenen Server, und verbreiten den Link über Twitter, Facebook und Co.

Wie auch immer Sie sich entscheiden: Wir helfen Ihnen natürlich gern dabei, Ihre Videos zu produzieren und bekannt zu machen.